Elentrea

Tirakan · Mittelalter, Vikinger und Kreuzzüge
Elentrea Elentrea

Im Weinmond 505 EC soll in Thenon der neue Algor-Tempel mit dem Heiligen Stab der Dreifaltigkeit geweiht werden, zum ersten Mal seit über tausend Jahren. Vor Priestern, Adel und Volk hebt der Chronar-Hohepriester Elias den Kristallstab. Nichts geschieht, dann zerbricht er. Noch am selben Abend heißt es in den Gassen, der Stab sei eine Fälschung, so alt wie der Untergang des Priesterreichs Elentrea.

Elias sucht jemanden, der den wahren Stab findet. Die Spur eines legendären Meisterdiebs führt über die Grenze nach Yadosien, ein Land, das seine Tore vor fünfundzwanzig Jahren geschlossen hat. In Bayard, der Hauptstadt auf den Ruinen Elentreas, herrscht seit 490 EC die Echse. Die Türme ihrer Akademie schimmern in fremden Farben, Wächter mit starrem Blick gehen durch die Straßen, und einmal im Monat wird das Los der Schlange gezogen.

Wer hier nach dem Stab sucht, folgt Spuren, die über tausend Jahre alt sind: in Kunstwerken, Gräbern und Büchern einer Stadt, die über einer anderen gebaut wurde.

Kapitel

  1. I Hintergrund

    1. Was wirklich geschah

    2. Zeitleiste

    3. Bayard im Wintermond 505 EC

      Bayard galt als schönste Stadt Tirakans, voller Tempel, Villen und Handelshäuser. Heute stehen davon die Fassaden. Auf dem Hügel in der Mitte wechseln die Türme der Akademie der Hohen Magie ständig die Farbe; es ist das einzig Bunte in der Stadt.

    4. Karte und Pentagramm

  2. II Prolog: Der zerbrochene Stab

    Im Weinmond 505 EC scheitert in Thenon die Weihe des neuen Algor-Tempels: Der Heilige Stab der Dreifaltigkeit zerbricht. Der Chronar-Hohepriester Elias sucht jemanden, der den echten Stab findet. Die Spur des Meisterdiebs Jacob Baltimore führt zu einer Taverne in Bayard.

    1. P.1 Die Weihe

      Der neue Algor-Tempel in Thenon soll mit dem Heiligen Stab der Dreifaltigkeit geweiht werden, zum ersten Mal seit über tausend Jahren. Der Chronar-Hohepriester Elias hebt den Kristallstab vor Priestern der drei Kirchen, Adel und Bürgern. Nichts geschieht. Dann bricht der Stab.

    2. P.2 Der Auftrag

      In der Sakristei verspricht Elias dem, der den wahren Stab findet, den ewigen Dank der Kirche des Chronar und eine reiche Belohnung. Nach der Legende verschwand der Stab 600 v.EC in Elentrea und tauchte 311 v.EC in Thenon wieder auf. Auf den Ruinen Elentreas steht heute Bayard.

    3. P.3 Die Spur des Fälschers

      Der Name Jacob Baltimore ist in Thenon bekannt: der berüchtigtste Meisterdieb seit tausend Jahren, 590 v.EC am Strang gestorben. Bei der Diebesgilde und im Stadtarchiv finden die Charaktere seine Spur. Sie führt zu einer Gelehrtentaverne, in der ein Spiegel des Salvador Rias hing. Die Taverne gibt es noch, in Bayard, unter dem Namen „Salvadors Spiegel“.

  3. III I. Die Grenze

    Ende Nebelmond 505 EC überqueren die Charaktere den Grenzwall Yadosiens. Am Feuer der Vagabund treffen sie einen alten Weißmagier, der nicht weiß, warum es ihn nach Bayard zieht. In der Nacht ziehen Gefühllose die Straße herauf.

    1. 1.1 Der Wall

      Seit Yadosien seine Grenzen 480 EC geschlossen hat, zieht sich ein Wall an der Grenze entlang. Die Wachtürme sind leer, der Wall lässt sich ohne Mühe überwinden. In der Ferne ragt die Spitze eines hohen Turms über den Horizont, und er wechselt die Farbe.

    2. 1.2 Das Feuer der Vagabund

      Am Abend ist ein Feuerschein von weitem zu sehen. Drei Wagen stehen um ein Feuer, etwa zehn Menschen sitzen darum. Sie empfangen die Fremden erst unter Waffen, dann freundlich. Am Feuer sitzt ein alter Mann, den sie vor einigen Tagen auf der Straße aufgelesen haben. Er stellt sich als Weißmagier Neron vor und sagt, es ziehe ihn nach Bayard, er wisse nicht warum.

    3. 1.3 Die Gefühllosen

      In der Nacht kommt ein junger Vagabund atemlos von der Straße: Abrutis! Die Vagabund ziehen die Wagen hinter einen Hügel und lassen das Feuer zurück. Sechs Männer kommen die Straße herauf, die Augen starr geradeaus, die Pupillen so geweitet, dass die Iris kaum zu sehen ist. Sie betrachten die Feuerstelle, scheinen in der Dunkelheit zu wittern und ziehen weiter.

  4. IV II. Bayard

    Die Charaktere kommen in Bayard an. In der Gelehrtentaverne „Salvadors Spiegel“ hören sie zwei Männer leise über die zerbrochene Weihe sprechen, und zwei Chronarpriester schlagen einen Steckbrief an. Im oberen Stock hängt ein Spiegel, in dem man sein wahres Ich sehen soll.

    1. 2.1 Am Stadttor

      Bayard ist eine ummauerte Stadt am Meer mit einem Hügel in der Mitte, auf dem der Palast und die Akademie der Hohen Magie stehen. Die Türme der Akademie wechseln ständig die Farbe. Am Tor stehen Wächter mit starrem Blick. Gleich hinter dem Tor bricht Neron zusammen.

    2. 2.2 Salvadors Spiegel

      Die Taverne „Salvadors Spiegel“ ist seit dem alten Elentrea ein Treffpunkt von Gelehrten. In den niedrigen, holzgetäfelten Sälen trinkt man Wein und spricht leise über Bücher. Zwei Männer an einem Ecktisch reden über die zerbrochene Weihe in Thenon. Der Wirt erzählt, im oberen Stock hänge ein Spiegel des Dichters Salvador Rias, in dem man sein wahres Ich sehe. Dann betreten zwei Chronarpriester den Schankraum und schlagen einen Steckbrief an.

    3. 2.3 Der Spiegel

      In der Suite hängt der Spiegel an der Wand. Von ihm laufen Seile über Rollen an Decke und Wänden zu schwenkbaren Spiegelplatten und Blenden, die das Licht des Fensters lenken. Auf dem Fenstersims steht eine kaum handgroße Rabenstatue mit einem goldenen Herz auf der Brust. In den Rahmen ist eine Inschrift geschnitten.

  5. V III. Der Helenenplatz

    Auf dem Helenenplatz steht die Statue der heiligen Helene Arvados mit einem Raben auf der Schulter. Eine Steintafel an ihrem Sockel trägt einen Vers an die Wanderer.

    1. 3.1 Die Statue

      In der Mitte des gepflasterten Platzes steht auf einem hohen Sockel die Statue der heiligen Helene in der Rüstung der Palastwache, das Schwert gesenkt. Auf ihrer linken Schulter sitzt ein steinerner Rabe, größer als ein lebender, den Kopf schräg, als lausche er. Eine Steintafel im Sockel erzählt von Helenes ruhmreichem Fall bei der Verteidigung des Tempels von Elentrea gegen die Bruderschaft des rechten Glaubens. Darunter steht ein Vers.

    2. 3.2 Der Schlüssel im Raben

      Um an den Raben zu kommen, muss jemand auf die Statue klettern, etwa drei Schritt über dem Pflaster. Tagsüber fällt das auf, nachts gehen Streifen über den Platz.

  6. VI Zwischenspiel: Das Los der Schlange

    Einmal im Monat wird vor dem Tempel des Chronar das Los der Schlange gezogen. Die Gezogenen gelten als auserwählt für den „Blick auf die Echse“. Sie werden in den Turm der Akademie der Hohen Magie gebracht und kehren als leere Menschen zurück.

  7. VII IV. Die Albertinenkapelle

    In der Gruft der Albertinenkapelle liegt der Dichter Rene Luimere in einem schlichten Grab mit dem Abbild eines Raben. Die Schwestern des Albertinenordens pflegen hier Kranke.

    1. 4.1 Die Albertinerinnen

      Eine kleine, alte Kapelle aus dunklem Stein im Südviertel, tiefer als die Straße; drei Stufen führen zur Tür hinab. Über dem Portal ist ein Greif eingemeißelt. Im Hofbau daneben pflegen die Schwestern des Albertinenordens Kranke und kümmern sich um die Angehörigen der leeren Menschen. Es riecht nach Kräutern, Lauge und Rauch.

    2. 4.2 Luimeres Grab

      Die Gruft ist ein niedriges Tonnengewölbe mit Gräbern in Wandnischen und im Boden. Am hinteren Ende liegt Rene Luimere unter einer schlichten Platte ohne Inschrift, nur mit dem Abbild eines Raben.

    3. 4.3 Das Pentagramm

      Die Schriftrolle zeigt einen Fünfstern, dessen Strahlen in einer alten Sprache beschriftet sind, daneben einen Vers. Auf eine Karte von Bayard gelegt, fallen die Strahlen auf bekannte Orte der Stadt.

  8. VIII V. Die Akademia Theora

    Die Akademie der Arkanen Künste ist seit 490 EC geschlossen und hat vor kurzem gebrannt. Unter dem verbrannten Flügel führt ein verschütteter Gang in viel ältere Gewölbe.

    1. 5.1 Die Brandruine

      Die Akademie der Arkanen Künste ist ein schlossartiges, weiß getünchtes Gemäuer mit roten Ziegeln. Ein Flügel ist ausgebrannt, das Dach eingestürzt, Ruß zieht sich über die Tünche. Im übrigen Bau hängen Türen offen, in den Hörsälen liegen umgeworfene Pulte. Es heißt, es spuke darin.

    2. 5.2 Das Gewölbe der Theora

      Unter der Akademie liegen Kuppelsäle aus hellem Stein, älter und sorgfältiger gebaut als alles darüber. Nachgedunkelte Fresken zeigen Gelehrte im Gespräch, einen Sternenhimmel, das Stadtbild Elentreas und einen großen Palast mit einem Pentagramm. In der alten Bibliothek stehen die Regale in zwei Blöcken, beschriftet in alter Schrift.

    3. 5.3 Der tiefe Brunnen

      In einem kleinen, runden Nebenraum der Gewölbe deckt eine Steinplatte mit eisernem Ring einen Brunnenschacht ab. Eiserne Sprossen führen hinab, viele sind verrostet, einige fehlen. Je tiefer man kommt, desto feuchter wird es; unten hört man Wasser und riecht Salz.

  9. IX VI. Der Palast des Lichts

    Tief unter Bayard liegen die Ruinen des Palasts des Lichts, des Sitzes der Priesterkaiser von Elentrea. Am letzten Tag des Jahres steigen die Charaktere hinab.

    1. 6.1 Die verschüttete Stadt

      Durch Risse im eingestürzten Stollen klettern die Charaktere in Hohlräume zwischen Schuttbergen: Gassen mit Hausfronten, Türbögen voller Geröll, ein Brunnen mit steinernem Becken. Über allem liegt eine Decke aus verbackenem Schutt, verkohlten Balken und Asche. Es ist still, ab und zu rieselt Erde. Dann werden die Mauern größer, und Säulen tragen eine Decke, die noch hält.

    2. 6.2 Der Leviathan

      Die unteren Hallen des Palasts stehen unter Salzwasser, an manchen Stellen hüfttief, an anderen tiefer, als man sehen kann. An den Wänden läuft eine schmale, teils eingebrochene Galerie entlang. Im Wasser bewegt sich etwas Großes.

    3. 6.3 Die große Halle

      Eine hohe Halle mit zwei Säulenreihen, ein Teil der Decke ist eingestürzt. In der erhaltenen Kuppel über der Mitte sind noch drei Strahlen eines Pentagramms zu sehen. Man betritt die Halle durch eine hohe Doppeltür aus Bronze. Am Kopfende steht die Statue eines jungen Mannes aus weißem Stein mit erhobener Hand, über Lebensgröße. Kopf und rechte Hand sind nur grob aus dem Block gehauen.

    4. 6.4 Die Neujahrsnacht

      Hinter der Statue führt eine Treppe in einen runden Raum unter der Halle. Der Boden ist in einem Kreis schwarz verbrannt, die Wände sind mit eingeritzten Zeichen bedeckt. Es ist kälter als überall sonst. Kohlebecken brennen, Gestalten stehen in neu gezogenen Kreisen, und in der Mitte wird die Luft dunkel.

  10. X Epilog: Die zweite Weihe

    Die Charaktere bringen einen schlichten, knorrigen Holzstab aus Bayard heraus.

  11. XI Fraktionen

    1. Bruderschaft des Heiligen Schwertes

      Die Bruderschaft des rechten Glaubens wurde 620 v.EC in Elentrea gegründet, weil sie die Hohepriester für frevelhaft hielt. Als das Priesterreich 600 v.EC in Unruhen zerfiel, führte sie den Sturm auf den Palast des Lichts an; die Steintafel am Helenenplatz erzählt, wie Helene Arvados dabei den Tempel gegen sie verteidigte und fiel. Ihre heutigen Erben nennen sich Brüder des Heiligen Schwertes zu Elentrea: wenige ältere, angesehene Männer aus mehreren Reichen, die sich selten treffen und über ihre Sache nur in Andeutungen sprechen.

    2. Kirche des Chronar

      Chronar, der Gott der Zeit, ist der älteste der drei göttlichen Geschwister und gilt oft als oberster der drei Götter. Man stellt ihn meist als alten Mann mit Stundenglas dar; seine Priester verstehen sich als Wächter der Ausgeglichenheit, schätzen das Ritual und einen streng geregelten Tageslauf, und sein höchstes Fest ist der letzte Tag des Jahres. In Thenon leitet der Hohepriester Elias die Weihe des neuen Algor-Tempels. In Bayard steht der Hohepriester Elion dem Tempel vor, vor dem jeden Monat das Los der Schlange gezogen und als Ehre verkündet wird.

    3. Reich der Schlange

      490 EC rief der Echsenpriester, der seit 410 EC im hohen Turm der Akademie zu Bayard gefangen saß, das Reich der Schlange aus; seitdem herrscht die Echse über Yadosien, das schon 480 EC seine Grenzen geschlossen hatte. Die Akademien Bayards sind geschlossen, und ob im Palast noch ein menschlicher König sitzt, weiß niemand sicher. Gefühllose, die wie Maschinen handeln, bewachen Grenze, Tore und Straßen, und etwa ein Fünftel der Bürger sind leere Menschen ohne jede Regung. Jeden Monat wird vor dem Tempel des Chronar das Los gezogen; die Gezogenen werden zum „Blick auf die Echse“ in den Turm gebracht und kehren leer zurück.

    4. Vagabund

      Vagabund heißen in Yadosien die teils geduldeten, teils verfolgten Gegner des Reichs der Schlange, die aus Beruf und Leben gedrängt wurden und seitdem umherziehen. Die kleine Gruppe unter Madelaine Rigot reist in drei Wagen und lebt von Gauklerei, Flickarbeit und dem, was Bauern ihr geben. Als Gaukler dürfen sie in die Stadt und auf dem Markt auftreten, solange sie nicht auffallen. Sie kennen Straßen, Tore und die Wege der Streifen in Bayard.

    5. Albertinenorden

      Der Albertinenorden ist ein kleiner Orden von Heilern und Nadal-Priestern in Bayard. Während der großen Pest versorgte er als einziger die Menschen im gefallenen Elentrea. Heute pflegen die Schwestern, die Albertinerinnen, Kranke und kümmern sich um die Angehörigen der leeren Menschen. In der Gruft ihrer Kapelle, die älter ist als Bayard, liegt der Gelehrte und Dichter Rene Luimere.

    6. Neroniten

      Die Neroniten sind ein weißmagischer, streng antidämonischer Orden, 378 EC von Magiern gegründet, die die Traktate Nerons zur Grundlage ihrer Studien machten. Sie leben in einem Kloster im Norden Tirakans unweit des Tals des Vergessens, zum Teil als ganze Familien, und beliebte Namen sind Nero und Nera. Nur Neroniten wirken den Zauber „Neron Statue“, der eine durchscheinende Statue ihres Lehrers erscheinen lässt. Ein kleiner Trupp ist im Wintermond 505 EC nach Bayard gekommen, weil er glaubt, dass Neron lebt und in Gefahr ist.

    7. Brüder von Akrenna

      Die Brüder von Akrenna sind ein Algor-Orden aus Asgoran, um 600 v.EC entstanden und wohl die größte Bruderschaft Algors. Nach fünf Jahren Priesterausbildung ziehen die Brüder zehn Jahre lang als besitzlose Bettelmönche und Marktplatzprediger durchs Land und finden Unterkunft bei gastfreundlichen Familien oder in den Tempeln der Götter. Sie gelten als weltoffen, freundlich und äußerst respektabel und tragen gewöhnlich weiße Roben mit dem Zeichen einer hell umstrahlten Sonne. Ein kleiner Trupp ist im Wintermond 505 EC nach Bayard gekommen, weil ihre Gebete zu Algor deutlicher erhört werden, je näher sie Yadosien kommen.

    8. Diebesgilde von Thenon

      In Thenon, der Hauptstadt Asgorans und Stadt des Nebels, gehören alle Diebe einer streng geordneten Gilde an. Ihre Mitglieder heißen „Schatten“; an der Spitze steht der Schattenkanzler, den noch niemand gesehen hat. Die Schatten sind keine Mörder, wer sich gegen die Spitze stellt, wird aus der Stadt verbannt, und mit den Assassinen aus Tirving liegt die Gilde seit Generationen im Streit. Sie zählt den Meisterdieb und Fälscher Jacob Baltimore zu den Ihren, der 590 v.EC in Thenon gehängt wurde.

  12. XII Gegenstände

    1. Heiliger Stab

      Der Heilige Stab der Priesterkaiser von Elentrea, der Stab Algors, verschwand 600 v.EC beim Fall der Stadt aus dem Palast des Lichts, zusammen mit einigen Gemälden, die ihn zeigten. Nach der Legende tauchte er 311 v.EC in Thenon wieder auf; seit er dort bei der Weihe 505 EC zerbrach, heißt es, er sei schon vor tausend Jahren gefälscht worden. Bilder zeigen Algor meist als jungen Mann mit kristallenem Stab, sehr selten als alten Mann mit schlichtem Holzstab.

    2. Kristallstab

      Der Heilige Stab der Dreifaltigkeit tauchte 311 v.EC in Thenon auf und gilt seitdem als der verschwundene Stab der Priesterkaiser von Elentrea. Die Kirchen von Chronar, Nadal und Algor führen ihn gemeinsam, um mit ihm Tempel aller drei Götter zu weihen. Er ist ein gerader Schaft aus klarem Kristall mit goldenen Beschlägen, den Kopf bildet eine goldgefasste Sonne, das Zeichen Algors. Bei der Weihe des neuen Algor-Tempels in Thenon im Weinmond 505 EC geschah nichts, dann zerbrach er.

    3. Spiegel des Salvador Rias

      Die Taverne „Salvadors Spiegel“ in Bayard heißt nach einem Spiegel des Dichters und Bildhauers Salvador Rias im oberen Stock, in dem man sein wahres Ich sehen soll. Wer ihn betrachten will, muss die Suite für einen Tag mieten. Der Spiegel ist eine im Raum verteilte Konstruktion aus Seilen, Rollen und schwenkbaren Spiegelplatten, die unter den Jahrhunderten gelitten hat. In den Rahmen ist SANCTUS AUROS VIA OCCULTA geschnitten.

    4. Goldener Schlüssel

      Die Steintafel an der Statue der heiligen Helene auf dem Helenenplatz fordert den Wanderer auf: „Doch nimm des Herzens Schlüssel mit / Bis in das weise, kalte Grab.“ Salvador Rias schuf die Statue mit dem Raben auf Helenes Schulter um 598 v.EC in fast einem Jahr Arbeit. Der Schlüssel ist etwa fingerlang, aus reinem Gold und nicht angelaufen; sein Griff hat die Form eines Herzens, der Bart ist fein gearbeitet.

    5. Luimeres Schriftrolle

      Eine verwitterte Schriftrolle aus brüchigem Pergament in einer verlöteten Hülse aus Blei, die Tinte verblasst, die Ränder zerfressen. Mit dem Zirkel ist ein Stern aus fünf Strahlen gezeichnet, in einer kleinen, sauberen Gelehrtenhand und einer alten Sprache im Uhrzeigersinn von oben beschriftet mit „Time, Magic, Death, Wisdom, Light“. Daneben steht ein Vers: „Über allem wacht der Herr der Zeit / Dazu steht Licht, Magie bereit / Die Weisheit und der Tod am Schluß / Des Rätsels Verse bringen muss.“

    6. Kleine Sammlung von Rätseln

      Ein Rätselband in Versform von John Baltimore, dem Gründer der Akademia Theora, um 588 v.EC geschrieben. Ein schmales Bändchen in dunklem Leder, kaum größer als eine Hand, die Seiten nummeriert, sauber gedruckt mit alten Lettern. Die meisten Rätsel lassen sich lösen; das auf Seite 22, das mit „Ein alter Freund dies einst ersann“ beginnt, scheint keinen Sinn zu ergeben.

    7. Nebelperlen

      Haselnussgroße graue Kugeln mit glatter, marmorartiger Oberfläche, die einen alten elfischen Zauber tragen. Zerbricht man eine, entweicht dichter, undurchsichtiger Nebel, der in kurzer Zeit einen Raum füllt. Diebesgilden schätzen sie zum Schutz und zur Tarnung ihrer Mitglieder; wer ihren wahren Wert nicht kennt, schätzt eine auf 5 Silberstücke. Wer Perlen bei sich trägt, sollte großes Gedränge meiden.

    8. Mengolms Spieluhr

      Eine hübsche Spieluhr, deren leise, seichte Melodie jeden, der sie hört, für einige Minuten einschlafen lässt, ob munter oder todmüde. Schon ihr Anblick weckt den Wunsch, sie spielen zu hören. Es sind mehrere Exemplare in Umlauf, und in den Händen eines geschickten Diebes ist sie eine Gefahr für jeden Besitz. Watte in den Ohren schützt vor der Melodie.

Orte

Akademia Theora

Akademia Theora

Die Brandruine

Die Akademie der Arkanen Künste im Südviertel von Bayard, kurz vor der Stadtmauer, ist ein schlossartiges Gemäuer, weiß getüncht, mit roten Ziegeln. Seit 490 EC ist sie geschlossen und steht leer, und es heißt, es spuke darin. Vor kurzem hat sie gebrannt; man sagt, leere Menschen hätten sie angezündet. Ein Flügel ist zerstört, das Dach eingestürzt, Ruß zieht sich über die Tünche, im Hof liegen zersprungene Ziegel. Im übrigen Bau hängen Türen offen, in den Hörsälen liegen umgeworfene Pulte. Im verbrannten Flügel ist ein Boden in den Keller durchgebrochen. Dahinter ist beim Einsturz eine alte, zugemauerte Öffnung aufgerissen, durch die ein Gang, halb voll Schutt, schräg nach unten führt.

Die Akademie der Arkanen Künste gründeten Henry und Pierre LaFoilette 277 EC in einem alten Bau des yadosischen Militärs. Sie lehrte Hermetik, Zauberei und Weiße Magie und galt als eines der angesehensten Häuser der menschlichen Reiche.

Die Gewölbe

Der Gang endet in Kuppelsälen aus hellem Stein, älter und sorgfältiger gebaut als alles darüber. An den Wänden sind Fresken, nachgedunkelt, aber zu erkennen: Gelehrte im Gespräch, ein Sternenhimmel, das Stadtbild Elentreas und ein großer Palast mit einem Pentagramm über seiner Halle. Es ist trocken und kalt, die Luft steht.

In der alten Bibliothek stehen die Regale in zwei Blöcken zu je zwei Reihen und vier Abschnitten, beschriftet in alter Schrift. Viele Bände sind zerfallen. In einem der Regale steht ein Schrank aus dunklem Holz, mit Eisen beschlagen, die Fugen mit Wachs versiegelt. In einem anderen liegen Rollen mit Grund- und Aufrissen. Von den Gewölben geht ein kleiner, runder Nebenraum ab.

Die Akademia Theora war eine Akademie im alten Elentrea. Gegründet hat sie der Gelehrte John Baltimore.

Akademie der Hohen Magie

Akademie der Hohen Magie

Die Akademie liegt auf dem Hügel in der Mitte Bayards, in der westlichen Hälfte des ummauerten Bezirks neben dem Palast, und überragt ihn. Eine hohe Mauer umschließt das Grundstück. Darin steht ein großer, viereckiger Turm, umgeben von vier kleineren runden Türmen an den Ecken, alle durch Brücken verbunden. Seit einem fehlgeschlagenen Experiment des Magisters Alram Quetschhorn wechseln Türme und Brücken ständig ihre Farbe, rot, dann grün, dann violett. Rückgängig machen ließ es sich nie, und es wurde zum Kennzeichen der Akademie. Den besten Blick hat man vom Marktplatz; die Spitze des großen Turms sieht man schon vom Grenzwall aus.

505 EC sind die meisten Fenster dunkel. Auf zwei Brücken fehlen die Geländer, in den kleinen Türmen nisten Tauben. Nur ganz oben im großen Turm brennt nachts Licht. Am Tor in der Mauer stehen Gefühllose. Echsenpriester gehen ein und aus, Menschen nur, wenn sie gebracht werden. Was oben mit den Gezogenen des Loses geschieht, weiß niemand in der Stadt, und die zurückkehren, können es nicht sagen.

Im Haumond 410 EC brachte die Armee einen gefangenen Priester der Echsen nach Bayard, unter großem Aufgebot über die Bürgerkriegsallee. Er wurde der Akademie der Hermetik zur Bewachung und Befragung unterstellt und in ihren hohen Turm gesperrt. Es dauerte Jahrzehnte, bis sein Einfluss sichtbar wurde. 490 EC rief er von hier das Reich der Schlange aus, und alle Akademien wurden geschlossen, auch diese. Ob die Echse den Turm seit 410 EC je verlassen hat, weiß niemand. Der letzte bekannte Leiter der Akademie war Magister Jarn Quallen III.; was aus ihm und den übrigen Magistern geworden ist, ist nicht bekannt.

Albertinenkapelle

Albertinenkapelle

Eine kleine, alte Kapelle aus dunklem Stein im Südviertel von Bayard, kurz vor der Stadtmauer. Sie ist älter als die Häuser um sie herum und liegt tiefer als die Straße; man steigt drei Stufen zur Tür hinab. Über dem Portal ist ein Greif eingemeißelt, das Tier der Nadal. Im Kirchenraum stehen wenige Bänke, im Winter brennt nur eine Lampe am Altar. Neben der Kapelle liegt ein Hofbau, in dem die Schwestern des Albertinenordens Kranke pflegen. Dort riecht es nach Kräutern, Lauge und Rauch.

Eine Treppe hinter dem Altar führt in die Gruft, ein niedriges Tonnengewölbe mit Gräbern in Wandnischen und im Boden. Die Gruft ist nicht verschlossen. Die Schwestern haben hier Laternen stehen und kommen mehrmals am Tag herunter, um zu beten.

Der Albertinenorden ist ein kleiner Heilerorden unter dem Schutz Nadals. Schon in der ersten Welle der schwarzen Pest (299–290 v.EC) pflegten die Schwestern Kranke in der Stadt Elentrea; in der zweiten Welle ab 255 v.EC versorgte allein der Orden die Kranken in den Ruinen. Heute pflegen die Schwestern Kranke und kümmern sich um die Angehörigen der leeren Menschen. Als die Echse 490 EC die Akademien und den Tempel der Nadal schließen ließ, blieb die Kapelle offen, weil die Stadt die Pflege der Schwestern braucht.

Bayard

Bayard

Bayard ist die Hauptstadt Yadosiens, 231 v.EC auf den Ruinen Elentreas gegründet. Die Stadt galt als die schönste Tirakans, voller Tempel, Villen und Handelshäuser. Etwa 11.000 Menschen leben hier. Die Stadtmauer bildet ein gestrecktes Achteck mit Türmen an den Ecken, im Norden liegt das Meer. In der Mitte erhebt sich ein Hügel mit dem Palast, dem Schloss Bayard, und der Akademie der Hohen Magie, deren Türme und Brücken ständig die Farbe wechseln. Sie sind das einzig Bunte in der Stadt.

Die Stadt im Winter 505 EC

Von der alten Pracht stehen die Fassaden. Seit 480 EC kommen keine fremden Händler mehr, viele Handelshäuser sind verriegelt, die Akademien seit 490 EC geschlossen. Die Stimmung ist düster. Die meisten Bürger sind resigniert und zurückhaltend, sie reden leise und bleiben nicht stehen. Etwa ein Fünftel sind leere Menschen: Sie arbeiten, essen und gehen ihre Wege, zeigen aber keine Regung. Streifen der Gefühllosen gehen durch die Straßen und handeln kalt wie Maschinen. Einmal im Monat wird vor dem Tempel des Chronar das Los der Schlange gezogen. Ob noch ein Mensch auf dem Thron sitzt, weiß niemand. Man spricht Yadosisch; Flüche und Ausrufe klingen französisch, etwa „merde“ oder „ça alors“.

Stadttor und Hafen

Die Straße von der Grenze kommt durch das Osttor in die Stadt. Gefühllose stehen davor, sehen in die Wagen und fragen nichts. Gaukler werden am Tor geduldet.

Der Hafen liegt vor der Nordmauer, zu beiden Seiten von Hafenmauern eingefasst. Seit Yadosien abgeschnitten ist, liegen dort Fischerboote und wenige Küstensegler, fremde Schiffe kommen nicht. Unter dem Kai mündet ein alter Kanal, halb unter Wasser, mit einem verrosteten Gitter davor. Wohin er führt, weiß niemand.

Marktplatz

Der große Markt liegt vor dem Hügel; von hier hat man den besten Blick auf die Akademie der Hohen Magie. Er findet jeden Tag statt, aber es gibt nur noch, was Yadosien selbst hergibt, und Händler und Käufer wechseln wenige Worte. Auf dem Platz steht die Statue des Baron Margona, des Gründers der Inquisition Magica, und blickt zur Akademie hinauf. Die Inquisition wurde 195 EC in Bayard gegründet, um die magischen Zirkel zu zerschlagen, und 330 EC verboten. Dass jetzt eine Echse die Akademien geschlossen hat, ist ein bitterer Witz, den manche Bürger leise erzählen.

Tempel des Algor und der Nadal

Der Tempel des Algor ist ein Bau aus hellem Stein mit flacher Kuppel, über dem Portal und über dem Altar eine Sonnenscheibe. Er ist offen, aber fast leer; zwei, drei Priester in weißen Roben halten die Gebete.

Der Tempel der Nadal war wie alle Tempel der Göttin ein stiller Ort des Studiums der Magie. Die Echse hat ihn 490 EC mit den Akademien schließen lassen. Das Tor ist mit einer Kette verschlossen, davor wacht ein steinerner Greif, der Begleiter der Göttin. Das Fest der Nadal am ersten Nebelmond hat in diesem Jahr niemand gefeiert.

Die Statue des Albert de Amsuine

An der Bürgerkriegsallee, der größten Straße der Stadt, steht die verfallene Statue des Generals Albert de Amsuine. Niemand pflegt sie, das Gesicht ist verwittert. Amsuine überlebte 312 EC als Einziger einen Stoßtrupp am Blutwall. Vor seinen Augen verkündete eine schlangenartige Gestalt das Jahrhundert der Schlange, und er trug die Botschaft in die Königreiche. Alte Bürger erzählen, er sei der Erste gewesen, der die Stimme der Schlange hörte.

Geschichte

98 v.EC eroberte Thandralf le Cruel Bayard und ließ es niederbrennen. Adam Vignoble wurde 28 v.EC König von Yadosien, baute den Palast wieder auf und machte Bayard wieder zur Königsstadt. 195 EC wurde hier die Inquisition Magica gegründet, 277 EC die Akademie der Arkanen Künste. Königin Marina benannte 400 EC die größte Straße in Bürgerkriegsallee um. Über sie wurde 410 EC unter großem Aufgebot ein gefangener Priester der Echsen in die Stadt gefahren und in den hohen Turm der Akademie gesperrt. 477 bis 482 EC schottete sich Yadosien ab, 490 EC rief die Echse das Reich der Schlange aus. Seit etwa 495 EC wird das Los gezogen. 505 EC brannte die Akademie der Arkanen Künste teilweise ab.

Der tiefe Brunnen

Der tiefe Brunnen

Ein alter Brunnenschacht in einem kleinen, runden Nebenraum der Gewölbe der Akademia Theora. Eine Steinplatte mit eisernem Ring deckt ihn ab; sie ist schwer, aber zwei Leute heben sie. Der Schacht ist rund, gut einen Schritt weit, aus sauber gesetzten Steinen. Eiserne Sprossen führen hinab. Viele sind verrostet, einige fehlen ganz, an zwei Stellen fehlen mehrere hintereinander. Ohne Seil ist der Abstieg gefährlich.

Der Schacht ist etwa vierzig Schritt tief. Auf halber Höhe ist eine Nische in der Wand mit einem verrosteten Haken, wo früher ein Eimerseil umgelenkt wurde. Je tiefer man kommt, desto feuchter wird es; unten hört man Wasser und riecht Salz. Der Schacht endet in einer Kammer, in der das Wasser knietief steht. Von hier läuft ein gemauerter Stollen nach Norden, mannshoch, mit einer Rinne, in der Wasser fließt. Seit langer Zeit hat niemand den Brunnen benutzt.

Grenzwall

Grenzwall

Ein Erdwall an der Grenze Yadosiens, mit einem Graben davor und einer Krone aus Bruchstein, etwa drei Schritt hoch. In Abständen von etwa einer Meile stehen hölzerne Wachtürme. Sie sind leer, die Leitern sind abgenommen, in manchen nisten Krähen. Der Wall lässt sich ohne Mühe überwinden. Ende Nebelmond ist das Land grau und nass, im Graben steht Schlamm. Dahinter führt eine Straße landeinwärts, auf der seit Jahren kaum Händler fahren.

In der Ferne ragt die Spitze eines hohen Turms über den Horizont: der Turm der Akademie der Hohen Magie in Bayard, in dem die Echse sitzt. Wer länger hinsieht, bemerkt, dass er die Farbe wechselt.

Yadosien verweigerte 477 EC Asgoranern und Hadewaldern die Einreise, schloss 480 EC seine Grenzen ganz und kündigte 482 EC den Wiesengrund-Vertrag. Seit 480 EC zieht sich der Wall an der Grenze entlang, seit 490 EC gehört das Land dahinter zum Reich der Schlange. Man erzählt, die Grenzen würden streng kontrolliert, und als Wachen dienten Gefühllose, Menschen, die jede Empathie und Menschlichkeit verloren haben.

Helenenplatz

Helenenplatz

Ein gepflasterter, annähernd viereckiger Platz an der Nordwestecke des Hügels in der Stadtmitte von Bayard, gesäumt von schmalen Bürgerhäusern mit geschlossenen Läden. In der Mitte steht auf einem hohen Sockel die Statue der heiligen Helene Arvados, etwas über Lebensgröße, ein Werk des Salvador Rias: Helene in der Rüstung der Palastwache, das Schwert gesenkt, den Blick nach vorn. Auf ihrer linken Schulter thront ein steinerner Rabe, größer als ein lebender, der den Kopf schräg hält, als lausche er. Der Stein ist dunkel verwittert. Helenes Gesicht ist glattgerieben, wo Gläubige es über Jahrhunderte berührt haben.

In den Sockel ist eine Steintafel eingelassen. Sie erzählt von Helenes ruhmreichem Fall bei der Verteidigung des Tempels von Elentrea gegen die Bruderschaft des rechten Glaubens, darunter steht ein Vers.

Helene Arvados war Palastwache der Priesterkaiser. Als 600 v.EC der Palast des Lichts gestürmt wurde, hielt sie allein die Pforten, bis die Priesterkaiser geflohen waren, und starb dabei. Im zerstörten Elentrea wurde sie heiliggesprochen. Eine zweite Statue der Heiligen stand später im Hof der Maison der Priesterkaiser am Nordrand der Stadt (Helene Arvados). Die Statue auf dem Platz hat die Gründung Bayards und den Brand von 98 v.EC überstanden. Jeder Bürger kennt sie und ihren Raben.

Tagsüber gehen leere Menschen über den Platz, ohne die Statue anzusehen; die übrigen Bürger nicken ihr manchmal zu. Nachts ist der Platz leer bis auf die Streifen der Gefühllosen.

Lager der Vagabund

Lager der Vagabund

Ein Nachtlager einige Meilen hinter dem Grenzwall, an der Straße nach Bayard. Am Abend ist der Feuerschein von weitem zu sehen. Das Lager liegt in einer flachen Senke neben der Straße, gegen den Wind geschützt; zwanzig, dreißig Schritt entfernt steigt ein Hügel an.

Drei alte, geflickte Wagen stehen um das Feuer. Einer trägt verblasste Gauklerbemalung, einer hat hinten eine kleine Feldesse mit Amboss, der dritte ist mit Vorräten, Zeltplanen und Waffen beladen. Über dem Feuer hängt ein Kessel, etwa zehn Menschen sitzen darum. Es riecht nach Rauch, nassem Wollstoff und Pferden. Die Feuerstelle ist sorgfältig mit Steinen umlegt, und einer steht immer am Rand des Lichtscheins Wache.

Die Vagabund sind Menschen, die man in Yadosien aus ihren Berufen und ihrem Leben gedrängt hat. Seitdem sind sie auf der Reise, teils geduldet, teils verfolgt. Ihr Lager wechselt jede Nacht.

Palast des Lichts

Palast des Lichts

Der Palast des Lichts war der Regierungspalast der Priesterkaiser von Elentrea. In ihm lag der Tempel, den Helene Arvados verteidigte. 600 v.EC wurde er in den Unruhen nahezu zerstört und im Lauf der Jahrhunderte vom neuen Bayard begraben. Seine Ruinen liegen tief unter der Stadt.

Die verschüttete Stadt

Der Weg zum Palast führt durch Schichten. Durch Risse klettert man in Hohlräume, die zwischen Schuttbergen offen geblieben sind: Gassen des alten Elentrea mit Hausfronten, Türbögen voller Geröll, ein Brunnen mit steinernem Becken. Über allem liegt eine Decke aus verbackenem Schutt, verkohlten Balken und Asche, Reste des Brandes von 98 v.EC, darüber die Fundamente Bayards. Es ist still, ab und zu rieselt Erde. Dann werden die Mauern größer, und Säulen tragen eine Decke, die noch hält: der Rand des Palasts.

Die überfluteten Hallen

Die unteren Hallen stehen unter Salzwasser, an manchen Stellen hüfttief, an anderen tiefer, als man sehen kann. An den Wänden läuft eine schmale Galerie entlang, teils eingebrochen. Am Nordende führt ein überwölbter Kanal hinaus, durch den Seewasser hereinkommt; ein Gitter versperrt ihn. In einer Kammer über dem Kanal steht eine verrostete Winde.

Die große Halle

Eine hohe Halle mit zwei Säulenreihen. Ein Teil der Decke ist eingestürzt, im Seitenschiff liegen Schutthaufen. Erhalten ist ein Teil der Kuppel über der Mitte, in die ein Pentagramm eingelassen war; drei Strahlen sind noch zu sehen. Man betritt die Halle durch eine hohe Doppeltür aus Bronze, die noch in den Angeln hängt.

Am Kopfende steht auf einem Sockel eine Statue Algors aus weißem Stein, über Lebensgröße: ein junger Mann mit erhobener Hand. Der Körper ist bis in die Falten des Gewands ausgearbeitet. Kopf und rechte Hand mit dem Stab sind nur grob aus dem Block gehauen; die Statue ist unvollendet. An einer Stelle liegen noch Steinsplitter, als habe der Bildhauer eben erst den Meißel weggelegt.

Hinter der Statue führt eine Treppe hinab in einen runden Raum. Der Boden ist in einem Kreis schwarz verbrannt, die Wände sind mit eingeritzten Zeichen bedeckt. Es ist kälter als überall sonst.

Salvadors Spiegel

Salvadors Spiegel

Eine Taverne im Westviertel von Bayard, seit der Zeit des alten Elentrea ein Treffpunkt von Gelehrten. Wirt ist Jerome Villebert. Den Namen hat das Haus von einem Spiegel des Dichters und Bildhauers Salvador Rias, der im oberen Stock hängt; man sagt, in ihm sehe man sein wahres Ich. Wer ihn betrachten will, muss die Suite für einen Tag mieten.

Erdgeschoss

Das Haus ist U-förmig um einen offenen Vorhof gebaut. In den beiden Flügeln liegt vorn je ein Saal, dahinter je eine Küche. In der Mitte liegt der Empfang mit der Eingangstür, dahinter die Garderobe mit einer Wendeltreppe nach oben. Die Säle sind niedrig und holzgetäfelt, an den Wänden stehen Regale mit abgegriffenen Büchern, dazwischen hängen alte Karten. Man trinkt Wein, spricht leise und über Bücher. Der linke Saal ist der Schankraum. Der rechte ist im Winter meist kalt, seine Küche wird kaum noch benutzt.

Obergeschoss

Ein Flur läuft an der Rückseite und an beiden Seiten entlang. Über dem linken Saal liegen zwei Gästezimmer. An der Treppe öffnet sich eine Doppeltür in einen großen Raum, der über die ganze Breite des Hauses geht: die Suite. Durch sie erreicht man zwei kleinere Kammern über dem rechten Saal, eine Schlafkammer und ein Kabinett. Die Fenster des großen Raums gehen auf den Vorhof.

Der Spiegel hängt an der Innenwand gegenüber den Fenstern. Er ist eine im Raum verteilte Konstruktion aus Seilen und Rollen, die über Decke und Wände laufen, und hat unter den Jahrhunderten gelitten. Über ihm steht die Inschrift SANCTUS AUROS VIA OCCULTA. Auf dem Sims des mittleren Fensters sitzt eine kleine Rabenstatue mit einem goldenen Herz auf der Brust.

Tempel des Chronar

Tempel des Chronar

Der größte Tempel Bayards und Sitz des Hohepriesters Elion, ein großer Bau aus grauem Stein im Nordviertel, gleich hinter dem Hafentor. Vom Meer aus ist er nach den Türmen der Akademie das Erste, was man von Bayard sieht. Über dem Portal hält ein steinerner alter Mann ein Stundenglas, so wie man Chronar darstellt. Ein Glockenturm schlägt die Stunden, die Priester leben nach einem strengen Plan. Innen ist es hoch und kalt, das Licht fällt durch schmale Fenster auf lange Bankreihen, die selten voll sind.

Vor dem Portal liegt ein weiter Platz mit einer breiten Treppe. Hier wird einmal im Monat das Los der Schlange gezogen. Die Priester stellen dafür auf der Treppe eine bronzene Urne auf, Gefühllose bilden eine Kette vor der Menge, und ein Priester liest die Namen vor. Die Gezogenen gelten als auserwählt für den „Blick auf die Echse“. Gefühllose bringen sie vom Platz nach Süden zum Hügel, in den Turm der Akademie der Hohen Magie, und sie kehren als leere Menschen zurück. Die Priester verkünden es als Ehre.

Neben dem Tempel liegt das Haus des Hohepriesters mit Schreibstube und Archiv.

Chronar wird oft als oberster Gott dargestellt, ihm werden die größten Tempel errichtet. Seine Priester verstehen sich als Wächter der Ausgeglichenheit. Sein höchster Feiertag ist der letzte Tag des Jahres, das Fest des Jahreswechsels. Elion ist seit etwa 495 EC Hohepriester in Bayard, und seit etwa derselben Zeit wird das Los gezogen.

Die Stätte war schon im alten Elentrea heilig. Gelehrte sagen, Tempel und Haus des Hohepriesters stünden auf den Grundmauern der Maison de la Patrimoine Dieu, in der die Priesterkaiser nach dem Fall des Palasts des Lichts residierten und die in der letzten Nacht des Jahres 297 v.EC niederbrannte.

Thenon

Thenon

Thenon ist die Hauptstadt Asgorans, hat etwa 95.000 Einwohner und den größten Hafen Tirakans. Die Wellenbrecher reichen weit ins Meer hinaus. Zwei Meilen vor der Küste liegt auf einem Riff die Akademie Hardas Lockheist, schwarze Türme ohne Fenster in ewigem Nebel. Thenon heißt die Stadt des Nebels: Im Herbst sieht man an manchen Tagen keinen Faden weit. In den Straßen spricht man Asgal.

Der Algor-Tempel

Der Tempel ist neu und weiß verputzt, über dem Portal steht die Sonne als Zeichen Algors. Die Algor-Priester tragen weiße Roben mit der Sonne als Insignie. Im Weinmond 505 EC soll der Tempel mit dem Heiligen Stab der Dreifaltigkeit geweiht werden, zum ersten Mal seit über tausend Jahren. Die Sakristei ist ein schmaler Raum hinter dem Chor mit Gewändern, Leuchtern und dem Kasten, in dem der Stab gebracht wird.

Die Schatten

Die Diebe der Stadt heißen „Schatten“. Ihre Gilde ist streng gegliedert, an der Spitze steht der Schattenkanzler, dessen wahre Identität kaum zwei Menschen kennen. Er lenkt über die Diebe den Fluss der Waren und treibt damit den Handel eher an, als dass er ihm schadet. Blutige Rituale und Racheakte sind den Schatten fremd; wer sich gegen die Spitze stellt, wird aus der Stadt verbannt. Mit den Assassinen aus Tirving liegt die Gilde seit Generationen im Streit.

Das Stadtarchiv

Ein kühles Gewölbe mit Akten, die nach Jahrhunderten geordnet sind. Ein Archivar führt die Besucher.

Geschichte

Um 590 v.EC war Thenon eine Stadt im Küstenland, aus dem später Asgoran hervorging. Damals wurde hier der Meisterdieb Jacob Baltimore gehängt, nachdem ein Adliger eine Hetzjagd auf ihn ausgerufen hatte; bei den Schatten ist er bis heute eine Legende. Um 500 v.EC schloss Balwin von Lothenstein die Händler der Region zur Freien Handelsgemeinschaft zusammen, 402 v.EC besetzten Truppen aus Elentrea die Stadt. 311 v.EC tauchte in Thenon der verschwundene Heilige Stab der Priesterkaiser wieder auf. Nach dem Kessel von Thenon 211 v.EC und dem Bürgerkrieg ließ König Feran I. die Stadt ab 208 v.EC als Hauptstadt wieder aufbauen.

Handouts

Der goldene Schlüssel

Der goldene Schlüssel

Ein etwa fingerlanger Schlüssel aus reinem Gold. Obwohl er lange im Stein lag, ist er nicht angelaufen. Der Griff hat die Form eines Herzens, der Bart ist fein gearbeitet. Er steckte hinter einer verborgenen Klappe in der Brust des steinernen Raben auf der Statue der heiligen Helene; die Klappe ist so genau eingepasst, dass man die Fuge erst sieht, wenn man weiß, wo man suchen muss.

Der Heilige Stab

Der Heilige Stab

Ein Stab aus dunklem, sehr hartem Holz, etwa mannshoch, knorrig und leicht gekrümmt. Oben ist er dicker und verwachsen, der Griff ist glatt gegriffen. Er hat keinen Beschlag, keinen Stein und keine Inschrift.

Er lag in ein zerfallendes Tuch eingeschlagen und hat die Zeit im feuchten Gestein unbeschadet überstanden: kein Wurm, kein Riss, keine Fäulnis, während jedes andere Holz ringsum längst zerfallen ist.

Die Bibliothek der Theora

In der alten Bibliothek stehen die Regale in zwei Blöcken.

Erster Block

Doldag Mathematik Metaphysik Lyrik
Verwandlungen Götterkunde Physik Prosa

Zweiter Block

Priesterschaft Elentrea Völkerkunde Magietheorie
Palast des Lichts Elentrea Mythologie Magietheorie
Die Bruchstücke des Kristallstabs

Die Bruchstücke des Kristallstabs

Die Reste eines geraden Schafts aus klarem Kristall mit goldenen Beschlägen. Den Kopf bildet eine goldgefasste Sonne, das Zeichen Algors. Im Licht werfen die Bruchstücke farbige Funken. Wer eines in die Hand nimmt, merkt, dass es leichter ist, als es aussieht.

Seit 311 v.EC führen die Kirchen von Chronar, Nadal und Algor den Stab als Heiligen Stab der Dreifaltigkeit. Im Weinmond 505 EC sollte mit ihm der neue Algor-Tempel in Thenon geweiht werden, zum ersten Mal seit über tausend Jahren. Der Hohepriester Elias hob den Stab, und nichts geschah. Dann brach er. Seitdem heißt es, der Stab sei schon vor tausend Jahren gefälscht worden, um die frevelhaften Hohepriester Elentreas um die göttliche Macht zu bringen. Elias verwahrt die Bruchstücke in der Sakristei des Tempels.

Die Inschrift des Spiegels

Die Inschrift des Spiegels

Ein Spiegel an der Wand der Suite im oberen Stock. Von ihm aus laufen Seile über Rollen an Decke und Wänden zu schwenkbaren Spiegelplatten und Blenden, die das Licht des Fensters lenken. Die Konstruktion hat unter den Jahrhunderten gelitten. Auf dem Fenstersims steht eine kaum handgroße Rabenstatue aus dunklem Stein mit einem Herz aus Gold auf der Brust.

Oben in den Rahmen des Spiegels ist geschnitten:

SANCTUS AUROS VIA OCCULTA

Die Steintafel am Helenenplatz

Die Steintafel am Helenenplatz

Am Sockel der Statue der heiligen Helene erzählt eine Steintafel von Helenes ruhmreichem Fall bei der Verteidigung des Tempels von Elentrea gegen die Bruderschaft des rechten Glaubens. Darauf steht:

Unter Chronars Stern geboren
Ein Golden Herz in ihr schlägt
Und von den Engeln auserkoren
Den rechten Pfad sie in sich trägt

Wanderer folg ihrem Blick!
Und bleibe auf dem rechten Pfad
Doch nimm des Herzens Schlüssel mit
Bis in das weise, kalte Grab.

Grundriss von Salvadors Spiegel

Grundriss von Salvadors Spiegel

Handgezeichneter Grundriss der Taverne „Salvadors Spiegel“: das Erdgeschoss mit Empfang, Garderobe, zwei Sälen und zwei Küchen, daneben das Obergeschoss mit einem Flur und den Zimmern.

Karte von Bayard

Karte von Bayard

Die Stadt Bayard um 500 EC, ummauert und am Meer gelegen. Einwohner ca. 11.000.

Kleine Sammlung von Rätseln, Seite 22

Kleine Sammlung von Rätseln, Seite 22

Ein schmales Bändchen in dunklem Leder, kaum größer als eine Hand. Es lag in einem versiegelten Schrank, der es vor der Feuchtigkeit geschützt hat. Die Seiten sind nummeriert, der Druck ist sauber, die Lettern sind alt. Auf dem Titel steht „Kleine Sammlung von Rätseln“ und der Name John Baltimore.

Auf Seite 22 steht:

Ein alter Freund dies einst ersann,
In tiefer Euphorie begann
Er schuf ein Werk gleich der Natur
So schön, doch unvollendet nur.

Sein Hoffen lag im Glauben nicht.
Beim Klange seiner Stimme
Bei dem Gebet zum höchsten Licht
Hielt er erschrocken inne.

Die Falschheit dieser Worte nun
Erkannte er alsbald für sich
Da tat der Meister bitterlich
Den Meißel schnellstens weg vom Tun.

Und ließ das hohe Werk verfallen
Gleichwohl in diesen heilgen Hallen
Obwohl es nicht vollendet war
Ich glaub', es steht noch immer da!

Luimeres Schriftrolle

Luimeres Schriftrolle

Brüchiges Pergament aus einer verlöteten Hülse aus Blei, die Tinte verblasst, die Ränder zerfressen. Die Zeichnung ist mit dem Zirkel angelegt, die Beschriftung in einer kleinen, sauberen Gelehrtenhand.

Fünf sternförmig angeordnete Strahlen, im Uhrzeigersinn von oben beschriftet:

Time, Magic, Death, Wisdom, Light

Daneben steht:

Über allem wacht der Herr der Zeit
Dazu steht Licht, Magie bereit
Die Weisheit und der Tod am Schluß
Des Rätsels Verse bringen muss.

Mengolms Spieluhr

Mengolms Spieluhr

Ein Kästchen aus hellem Holz mit Einlegearbeiten, etwa so groß wie zwei Fäuste, mit einer kleinen Kurbel. Unter dem Deckel sitzt eine Walze mit feinen Stiften. Wer die Spieluhr ansieht, fühlt sich seltsam zu ihr hingezogen und möchte sie spielen hören.

Nebelperlen

Nebelperlen

Kleine, etwa haselnussgroße graue Kugeln mit glatter, marmorartiger Oberfläche, meist in kleinen Lederbeuteln. Wer ihren wahren Wert nicht kennt, schätzt sie auf 5 Silberstücke.

Die Perlen tragen einen alten elfischen Zauber. Zerbricht man eine, entweicht dichter, undurchsichtiger Nebel, der jede normale Sicht verhindert. Eine Perle füllt innerhalb von 1W6 Kampfhandlungen einen Raum von 15+2W6 Quadratmetern. Diebesgilden setzen sie gern zum Schutz und zur Tarnung ihrer Mitglieder ein. Wer Perlen bei sich trägt, sollte großes Gedränge meiden, sonst steht er bald mitten in einer Nebelwolke.

Steckbrief

Ein Anschlag, darauf das gezeichnete Bild von (Name eines Charakters).

Gesucht

(Name eines Charakters), wegen Diebstahls an der Kirche des Chronar. Eine Belohnung ist ausgesetzt.

Gezeichnet
Elion, Hohepriester des Chronar zu Bayard