Der schwarze Tod

Tirakan · Mittelalter, Vikinger und Kreuzzüge
Der schwarze Tod Der schwarze Tod

Elentrea, Nebelmond 299 v.EC. Ihr seid die höchsten Amtsträger des Patrimonium Dei, des Gottesstaats der Priesterkaiser: der Episcopal Superieur, der Colonel der Ehernen Garde, der Medicin Primus, die Cameriere und der Vorsteher des Rats der Laien. Ihr dient Jaques Jamais, dem letzten Priesterkaiser. Vor dreißig Jahren war er noch König; nach dem verlorenen Krieg hat er Asgoran preisgegeben, die Krone abgelegt und die weltlichen Geschäfte der Zentralversammlung überlassen. Seitdem wächst die Unzufriedenheit des Volkes.

In den Vororten gärt es, und die Eherne Garde greift hart durch. Im jungen Dorf Wiesengrund predigt der Priestersohn Almand Fretonas gegen das Patrimonium. Aus Hadewald kommen Nachrichten von einer Krankheit, die ganze Dörfer leert. Und hinter dem Stuhl Seiner Heiligkeit steht wie seit Jahrzehnten Seluan Schattenaug, ein Fremder aus dem Osten mit tief gezogener Kapuze, Erster Mann im Department especial, dem man besser nicht widerspricht.

In der Treue zum Priesterkaiser seid ihr euch einig, in fast allem anderen nicht. Gespielt wird in den Sitzungen der Räte und dazwischen, mit Stimmen, Akten, Gefälligkeiten und Geheimnissen. Was du weißt, wissen die anderen nicht unbedingt. Ihr werdet den Untergang Elentreas aus nächster Nähe erleben; was ihr bis dahin rettet und wen ihr opfert, liegt bei euch.

Kapitel

  1. I Hintergrund

    1. Was wirklich geschah

    2. Zeitleiste

    3. Die Ordnung des Patrimoniums

    4. Die fünf Rollen

    5. Elentrea im Nebelmond 299 v.EC

    6. Spielhilfen

  2. II I. Almand Fretonas

    Elentrea, 24. Nebelmond 299 v.EC. Am Abend tagt die Zentralversammlung, und Seine Heiligkeit hat um Redezeit gebeten. Aus Hadewald kommen Nachrichten von einer Krankheit, und im Dorf Wiesengrund predigt ein Priestersohn gegen das Patrimonium.

    1. 1.1 Die Bitte um Redezeit

      Am Nachmittag des 24. Nebelmond 299 v.EC sucht Seine Heiligkeit den Episcopal Superieur in seiner Amtsstube auf. Er bittet um Redezeit in der Zentralversammlung am Abend und sagt nicht, worum es geht.

    2. 1.2 Der Casus Fretonas

      Am Abend des 24. Nebelmond tagt die Zentralversammlung im Ratssaal. Seine Heiligkeit legt den Gewählten den Casus Fretonas dar: Ein Priestersohn aus dem Dorf Wiesengrund predige gegen das Patrimonium, sammle Waffen und Veteranen und habe in den Vororten Anhänger. Der Priesterkaiser ordnet die peinliche Befragung an und befiehlt dem Colonel, Almand Fretonas am nächsten Tag zu verhaften.

    3. 1.3 Wiesengrund

      Am 25. Nebelmond reitet die Garde nach Wiesengrund, einem jungen Dorf um das alte königliche Jagdschloss, einige Stunden von der Stadt. Almand Fretonas ist nicht zu finden. Die Leute im Dorf, viele von ihnen Veteranen des Asgoraner Kriegs, stehen an den Zäunen und schweigen. Der alte Priester der Schlosskapelle empfängt den Colonel höflich.

    4. 1.4 Die Sitzungen des 26. Nebelmond

      Am 26. Nebelmond tagt zuerst die Niedere Sitzung im Haus des Conseil converse am Tor, danach die Hohe Sitzung im Patrimoine Dieu. Auf der Tagesordnung stehen der Casus Fretonas, ein Antrag des Medicin Primus, wegen der Nachrichten aus Hadewald das Osttor und den Hafen zu sperren, und der Antrag des Colonel, die Bürgerwehr einzuberufen.

    5. 1.5 Im Coq Hardi

      Im Gasthaus des Vorstehers am Kornmarkt reden Fuhrleute, Kornhändler und Handwerker offen. Man hört von Kranken in Hadewald, vom Ritt der Garde nach Wiesengrund und davon, dass „der König von Wiesengrund“ zurückkomme.

    6. 1.6 Die Stunde des Verrats

      Mitte Wintermond 299 v.EC, gegen Mitternacht. Im Torhaus der Maison geht das äußere Fallgitter hoch, und Bewaffnete dringen in den Torweg. Das innere Gitter ist unten, der Wächter dahinter schlägt Alarm, und aus der Baraque der Garde laufen Männer in den Hof.

    7. 1.7 Der Zug aus dem Osten

      Ende Wintermond 299 v.EC steht ein Wagenzug am Osttor: der Hadewalder Händler Thornton mit Holz und Pelzen, mit ihm der Episcopal Anselme Vautrin, der von seiner Visitation in den Ostmarken heimkehrt. Zwei der Fuhrleute husten. Vautrin trägt ein versiegeltes Bündel und verlangt Einlass.

    8. 1.8 Der erste Tote

      Im Schneemond 298 v.EC stirbt der Episcopal Anselme Vautrin im Hausspital der Maison, schwarz an Händen und Füßen. Am Hafen und im Ostviertel gibt es die ersten Toten mit denselben Zeichen. In der Stadt heißt es, der Episcopal sei verflucht worden.

  3. III II. Der Schwarze Tod

    Im Frühjahr 298 v.EC breitet sich die Pest vom Hafen und vom Ostviertel her in der Stadt aus. Das Spital ist überfüllt, Brot wird knapp, und in den Vororten hört man den Namen Fretonas immer öfter.

    1. 2.1 Die Zahlen

      Im Bureau des Medicin Primus hängt an der Wand eine Liste, die jede Woche länger wird: die Kranken und Toten der Viertel. Die Medici gehen mit Schnabelmasken voller Kräuter durch die Gassen. Auf Anordnung des Medicin Primus werden Kranke von Gesunden getrennt.

    2. 2.2 Die Sperre

      Im Lebensmond 298 v.EC riegelt die Garde das Ostviertel und den Hafen mit Ketten und Gendarmen ab. An den Ketten stehen Familien, die hinauswollen, und Händler, die hineinwollen. Wer Geld hat, kauft sich durch und zieht in den gesunden Westen.

    3. 2.3 Brot und Reden

      Auf den Plätzen im gesunden Teil der Stadt verteilen Amtsträger Brot und halten Reden. Die Menge hört zu, solange es Brot gibt.

    4. 2.4 Die Wahl in den Straßen

      Vor dem Coq Hardi versammelt sich eine Menge. Jemand ruft nach einem neuen Vorsteher des Rats der Laien.

    5. 2.5 Der Westen brennt

      Im Haumond 298 v.EC brennt der Westen der Stadt, der Teil, den die Pest noch nicht erreicht hat. Auf den Straßen stehen Barrikaden. Von einer Barrikade aus spricht Almand Fretonas zum Volk.

    6. 2.6 Seine Heiligkeit empfängt nicht

      Im Herbstmond 298 v.EC zieht sich der Priesterkaiser in seine Gemächer zurück. Er empfängt nur noch die Cameriere, den Medicin Primus und Seluan Schattenaug, den Fremden aus dem Department especial. In seinen Gemächern ist es kalt, obwohl die Öfen brennen.

  4. IV III. Das Wesen des Jamais

    Seit dem Weinmond 298 v.EC erscheint Seine Heiligkeit nicht mehr in den Sitzungen. Der Stuhl des Priesterkaisers bleibt leer, und Seluan Schattenaug, der Fremde aus dem Department especial, spricht in seinem Namen.

    1. 3.1 Der leere Stuhl

      Im Ratssaal bleibt der Stuhl Seiner Heiligkeit unter dem Baldachin leer, Sitzung um Sitzung. Die Cameriere leitet die Hohe Sitzung allein. Seluan Schattenaug tritt vor, die Kapuze tief im Gesicht, und spricht „im Namen Seiner Heiligkeit“, und niemand weiß, ob der Priesterkaiser diese Worte je gesagt hat.

    2. 3.2 Die Dokumente

      Die Gemächer Seiner Heiligkeit sind verhangen, es riecht nach Wachs, Tinte und etwas Bitterem. Im Studierzimmer steht eine Truhe voller alter Schriften, deren Tinte bräunlich geworden ist, mit Zeichnungen von Kreisen und Zeichen. Dazwischen liegen Notizen in der Hand des Priesterkaisers, Rechnungen von Händlern und eine Liste von Zahlungen aus der Staatskasse.

    3. 3.3 Was Gulieri gesehen hat

      Der Zeremonienmeister Stepano Gulieri ist ein stiller Mann, der in jeder Sitzung das Protokoll führt und die Stimmen zählt. Bei einem Glas Wein wird er gesprächiger, aber er schaut sich dabei um, bevor er etwas sagt.

    4. 3.4 Unter der Tour Grande

      Eine Wendeltreppe führt unter der Tour Grande in den Kerker hinab, vorbei an Zellen mit Stroh und Eisenringen. Je tiefer man kommt, desto kälter wird es. Ganz unten ist eine eisenbeschlagene Tür, und der Atem steht in der Luft, zu jeder Jahreszeit.

    5. 3.5 Stimmen, die sich drehen

      In der Zentralversammlung stimmen Episcopaux, die monatelang gegen eine Sache waren, plötzlich dafür. Fragt man sie nach dem Grund, sagen sie, sie hätten es sich überlegt. Einige wirken müde und frieren, obwohl der Saal geheizt ist.

    6. 3.6 Thornton will Geld

      Der Hadewalder Händler Thornton hat die Pest überlebt und ist in der Stadt geblieben. Im Hagelmond 297 v.EC lässt er ausrichten, er habe etwas zu verkaufen, das Seiner Heiligkeit sehr am Herzen liege.

    7. 3.7 Seluans Angebot

      Seluan Schattenaug lädt zu einem Glas Wein in die Tour ouest, wo das Department especial seine Akten verwahrt. Er spricht leise und lässt jeden Satz offen. Am Ende macht er ein Angebot.

  5. V IV. Der Untergang

    Herbst 297 v.EC. Die Stadt ist zu zwei Dritteln leer, die Garde zu schwach, um mehr als die Maison zu halten. Vor den Toren sammelt Almand Fretonas, was vom Volk übrig ist.

    1. 4.1 Die letzte Sitzung

      Im Ratssaal sind viele Stühle leer. Von den zwölf Episcopaux sind vielleicht noch sieben gekommen, einige mit Tuch vor dem Mund. Draußen hört man die Karren, die die Toten holen. Auf der Tagesordnung steht, was aus dem Patrimonium werden soll.

    2. 4.2 Fretonas vor dem Tor

      Vor dem Torhaus stehen bewaffnete Männer und Frauen, Veteranen mit alten Klingen, junge Leute mit Mistgabeln und Knüppeln. Almand Fretonas tritt unter einer weißen Fahne vor und verlangt, mit jemandem zu sprechen, der für das Patrimonium reden darf.

    3. 4.3 Der Tag des Opfers

      In der letzten Nacht des Jahres ist es im Kerker unter der Tour Grande so kalt, dass die Fackeln flackern. Aus dem untersten Raum kommt ein Geräusch, als atme etwas Großes langsam ein.

    4. 4.4 Die Pforten

      In der letzten Nacht des Jahres 297 v.EC stürmen die Aufständischen die Maison. Fackeln fliegen über die Mauer, am äußeren Fallgitter schlagen Äxte. Vom Torhaus aus sieht man im Hof die Statue der heiligen Helene Arvados, die einst allein die Pforten des Palasts hielt.

    5. 4.5 Sedisvakanz

      Seine Heiligkeit ist tot. Die Maison brennt oder ist gefallen. Nach altem Recht führt bis zur Wahl eines Nachfolgers die Cameriere das Siegel des Patrimoniums, und mit ihm, was vom Patrimonium übrig ist.

    6. Mögliche Ausgänge

  6. VI Fraktionen

    1. Patrimonium Dei

      Das Patrimonium Dei ist der Gottesstaat Elentrea und zugleich der heilige Orden, dem seine Amtsträger angehören. An der Spitze steht der Priesterkaiser, amtlich Jaques d'Elentrea, im Volk Jaques Jamais genannt. Unter ihm stehen vier Häuser: die Zentralversammlung unter dem Episcopal Superieur, die Garde d'airain unter ihrem Colonel, das Spital unter dem Medicin Primus und die Maison unter der Cameriere. Seit der Priesterkaiser bei seiner Wahl auf die Generalverfügung über die Zentralversammlung verzichtet hat, führt diese die weltlichen Geschäfte weitgehend selbst. Zu Ehren der heiligen Helene Arvados, deren Statue im Hof der Maison steht, führt seit dem Fall des Palasts des Lichts stets eine Frau das Amt der Cameriere. Das Patrimonium verehrt Chronar, Algor und Nadal als eine göttliche Ordnung.

    2. Zentralversammlung

    3. Conseil converse

      Der Conseil converse ist der Rat der Laien und vertritt das Volk Elentreas gegenüber dem Patrimonium. Er hat 24 Mitglieder, die Ältesten der zwölf Stadtquartiere und die Meister der zwölf größten Gilden. Er kann Bittschriften an den Priesterkaiser richten, Klage gegen Amtsträger erheben und mit seinem Vorsteher in der Niederen Sitzung mitstimmen; Gesetze machen kann er nicht. Seit drei Generationen stellt die Familie Phillippe den Vorsteher, heute Charles Phillippe III., Wirt des Coq Hardi. Der Rat tagt im Haus gleich hinter dem Torhaus der Maison und berät sich oft im Coq Hardi.

    4. Garde d'airain

      Die Eherne Garde des Patrimoniums unter dem Colonel Bernard LaBaligne. Zu ihr selbst gehören 30 Hauptleute und 250 Mann, untergebracht in der Baraque der Maison; sie bewachen Tor und Türme. Dazu befehligt der Colonel 2.500 schwer bewaffnete Gendarmen, die in der Stadt kaserniert sind, und 5.000 Büttel der Bürgerwehr, die nur mit Genehmigung des Patrimoniums aus dem Volk einberufen werden dürfen. Seit etwa 310 v.EC schlägt die Garde Unruhen in den Vororten mit eiserner Faust nieder, und im Volk gilt sie zunehmend als die Unterdrückungsabteilung des Patrimoniums.

    5. Department especial

    6. Die Leute von Wiesengrund

    7. Haus Donnerbruch

      Das Königshaus Elentreas. 402 v.EC besetzte König Berthold von Donnerbruch mit Truppen aus Elentrea die Städte Thenon und Tirving und die Asgoraner Provinzen. Sein letzter König in Elentrea war Jaques von Donnerbruch, der nach fünfzehn Jahren Krieg im Haumond 330 v.EC in seinem Jagdschloss in Wiesengrund mit dem Asgoraner Unterhändler Visborn von Lothenstein verhandelte und danach die Souveränität Asgorans unter König Elonar DeCreston verkündete. Im selben Jahr legte er die Krone ab und wurde Priesterkaiser. Verwandte des Hauses leben auf ihren Gütern im Land am Yadir.

  7. VII Gegenstände und Schriftstücke

    1. Elions Aufzeichnungen

    2. Siegel des Priesterkaisers

    3. Kassenbücher

    4. Briefe aus Hadewald

    5. Tiaras Liste

    6. Pestarztmaske

    7. Vermächtnis der Cameriere

    8. Klinge aus Adamant

Orte

Gasthaus Coq Hardi

Gasthaus Coq Hardi

Das Gasthaus des Vorstehers des Conseil converse, Charles Phillippe III., am Kornmarkt zwischen der Mitte und dem Westviertel. Ein breites, dreistöckiges Fachwerkhaus auf steinernem Erdgeschoss; über der Tür hängt ein Schild mit einem roten Hahn, der den Kopf hebt. Durch eine Toreinfahrt kommt man in den Hof mit Ställen und Platz für die Wagen der Fuhrleute, die Korn zum Markt bringen.

Im Schankraum stehen lange Tische und ein großer Kamin. Am Abend ist er dicht besetzt mit Fuhrleuten, Kornhändlern, Handwerkern und Mitgliedern des Conseil converse, die hier lieber reden als in ihrem Haus in der Maison. Es riecht nach Bier, Rauch und Pferd. Hinter dem Schankraum liegt eine Stube, in der der Wirt Gäste empfängt. Im ersten und zweiten Stock gibt es acht Zimmer, das beste nach vorn zum Markt. Wer zahlt, bekommt ein Zimmer; der Wirt fragt nicht viel.

Das Coq Hardi gehört der Familie Phillippe in dritter Generation, ebenso wie das Amt des Vorstehers. Großvater und Vater führten Wirtschaft und Amt nebeneinander; im Coq Hardi bespricht sich der Conseil, bevor er in die Maison geht.

Haus des Conseil converse

Haus des Conseil converse

Das Haus des Rats der Laien in der Maison, gleich westlich hinter dem Torhaus. Ein schlichtes, zweigeschossiges Haus aus grauem Stein, an das an der Westseite das Bureau des Medicin Primus mit dem Hausspital angebaut ist; dahinter liegt die Küche. Der Eingang ist vom Torweg aus links, so dass die Laien nach wenigen Schritten im Haus sind und den Hof nicht durchqueren müssen. Wer weiter will, braucht eine Erlaubnis.

Im Erdgeschoss liegt ein Saal mit einem langen Eichentisch, an den Wänden Bänke für die 24 Mitglieder des Conseil, wenn er vollzählig tagt. An der Stirnseite steht ein einfacher Stuhl für die Leitung, ohne Baldachin. Hier tagt die Niedere Sitzung, in der der Vorsteher des Conseil mit den Häusern des Patrimoniums abstimmt. Im Obergeschoss liegt die Schreibstube des Conseil mit seinen Protokollen und Bittschriften, darunter die erste Bittschrift von 330 v.EC, auf die der Priesterkaiser „Jamais“ antwortete.

Der Saal ist kühl und schlecht geheizt. Die Episcopaux nennen das Haus spöttisch „la Porte“, weil man darin zwar drinnen ist, aber noch nicht angekommen.

Maison de la Patrimoine Dieu

Maison de la Patrimoine Dieu

Der Sitz des Priesterkaisers und des Patrimonium Dei am Nordrand der Stadt Elentrea, auch Chateau Dieu oder Sacre Complexe genannt. Die Anlage liegt auf einer Anhöhe über der Küste, die Stadt im Süden; eine Allee mit Bäumen führt zum Torhaus hinauf. Sie ist ein Dreieck aus hohen Mauern mit je einem runden Turm an den Ecken, die Seiten etwa 150 bis 180 Schritt lang. Auf den Mauern läuft ein Wehrgang von Turm zu Turm. Im Inneren ist es eng: Die Gebäude stehen an den Mauern, in der Mitte bleibt ein Hof um die Statue der Helene und die Grande Église.

  1. Torhaus in der Südmauer, mit zwei Fallgittern hintereinander. Davor die Allee.
  2. Friedhof der Empereur Abbé in der Südostecke. Hier liegen die Priesterkaiser seit dem Fall des Palasts des Lichts unter vielen kleinen Grabsteinen, dicht an dicht.
  3. Statue der Sacre Helene Arvados in der Mitte des Hofs: die heilige Palastwache, die 600 v.EC die Pforten des Palasts hielt, bis die Priesterkaiser geflohen waren. Zu ihren Ehren führt eine Frau das Amt der Cameriere. Vom Torhaus aus blickt man direkt auf sie.
  4. Grande Église, die große Kirche des Patrimoniums, ein langer Bau nördlich der Statue, mit dem Chor zur Tour nord. Der Chor steht über einem alten Heiligtum Chronars, um das die Maison gebaut ist. Hier werden die Priesterkaiser gesalbt und die Messen der Maison gelesen.
  5. Badehaus im Winkel bei der Tour nord, mit einem halbrunden Becken.
  6. Maison des disciples, zwei Gebäude an der Ostmauer, in denen die Schüler des Patrimoniums wohnen und lernen.
  7. Maison des aspirants an der Mauer nahe der Tour ouest, für die Anwärter auf die Weihen.
  8. Baraque de la Garde d'airain östlich des Torhauses, die Kaserne der 250 Gardisten und 30 Hauptleute, mit Waffenkammer, Stall und Exerzierplatz.
  9. Haus des Conseil converse gleich westlich hinter dem Torhaus. Hier tagt die Niedere Sitzung.
  10. Bureau des Medicin Primus mit einem kleinen Hausspital, an das Haus des Conseil converse angebaut. Das große Spital Divine liegt vor dem Tor.
  11. Cuisine, die Küche hinter dem Haus des Conseil converse, mit Vorratskellern und Brunnen.
  12. Tour Grande, der größte der drei Türme, in der Südostecke über dem Friedhof. Darunter der Kerker.
  13. Äußere Mauer, ein zweiter Mauerzug vor der Südostseite zur Stadt hin, dazwischen ein Zwinger.
  14. Tour ouest, der Westturm, Sitz des Department especial.
  15. Tour nord, der Nordturm über der Küste, mit Glocken und Wächterstube.
  16. Patrimoine Dieu, das Hauptgebäude an der Mauer zwischen Tour ouest und Tour nord, mit Ratssaal, Gemächern des Priesterkaisers und Kanzleien.

Hier leben der Priesterkaiser, die Cameriere, die Gardisten, Schüler und Anwärter, die Priester der Grande Église und die Dienerschaft: Köche, Wäscherinnen, Stallknechte, Schreiber. Die Episcopaux wohnen in der Stadt und kommen zu den Sitzungen. Tagsüber steht das Tor offen; Boten, Bittsteller und die Laien des Conseil converse kommen bis zu ihrem Haus hinter dem Torhaus, weiter nur mit Erlaubnis. Nachts sind beide Fallgitter unten.

Die Maison wurde nach dem Fall des Palasts des Lichts 600 v.EC als Festung um ein altes Heiligtum Chronars gebaut. Der Sturm von damals sollte sich nicht wiederholen, deshalb das doppelt vergitterte Tor, die äußere Mauer zur Stadt und die Statue der Frau, die damals die Pforten hielt, mitten im Hof. Seitdem werden hier die Priesterkaiser gewählt, gesalbt und begraben.

Patrimoine Dieu

Patrimoine Dieu

Das Hauptgebäude der Maison, ein langer, dreigeschossiger Bau aus hellem Stein an der Mauer zwischen Tour ouest und Tour nord. Die Rückseite ist die Außenmauer der Anlage, der Haupteingang liegt zum Hof hin, mit Blick auf die Grande Église und die Statue der Helene. Hier wird Elentrea regiert.

Erdgeschoss

Der große Ratssaal nimmt fast die halbe Länge ein: hohe Fenster zum Hof, an der Stirnseite der erhöhte Stuhl des Priesterkaisers unter einem Baldachin, davor im Halbkreis die zwölf Stühle der Episcopaux. Seitlich stehen eine Bank für die, die ohne Stimme sprechen, und das Pult des Zeremonienmeisters, der Protokoll führt und die Stimmen zählt. Hier tagen die Zentralversammlung und die Hohe Sitzung. Neben dem Saal liegen die Protokollstube und die Amtsstube des Episcopal Superieur mit ihren Aktenschränken.

Obergeschoss

Die Kanzlei der Cameriere mit dem Schlüsselschrank und den Haushaltsbüchern; von ihrem Fenster aus sieht man den Hof und das Torhaus. Daneben Schreibstuben und Gästezimmer für Episcopaux, die nach späten Sitzungen bleiben.

Oberstes Geschoss

Am Nordende, zur Tour nord hin und mit Blick auf das Meer, liegen die Gemächer des Priesterkaisers: Vorzimmer, Audienzraum, Schlafkammer, eine kleine Hauskapelle und ein Studierzimmer, das außer ihm kaum jemand betritt.

Keller

Das Archiv mit den Akten des Patrimoniums. Die Akten des Department especial liegen nicht hier, sondern in der Tour ouest.

Seit der Priesterkaiser 330 v.EC die Generalverfügung über die Zentralversammlung aufgehoben hat, wird im Ratssaal über die weltlichen Dinge Elentreas entschieden.

Spital Divine

Spital Divine

Das Spital des Patrimoniums unter dem Medicin Primus Auguste Tiara. Es hat zwei Teile.

Das große Spital Divine

Ein langer, zweigeschossiger Bau mit Innenhof, Kräutergarten und Brunnen, an der Allee etwa hundert Schritt vor dem Torhaus der Maison. Im Erdgeschoss liegen zwei lange Säle mit Betten zu beiden Seiten, oben Kammern für zahlende Kranke und für die Medici. Vierzig Medici arbeiten hier unter Tiara und seinem Medicin Secundus Brian Garande. Es riecht nach Essig und Kräutern.

Das Bureau des Medicin Primus

In der Maison, an die Westseite des Hauses des Conseil converse angebaut: Tiaras Arbeitszimmer mit seinen Büchern, darunter die Medicin Avance, die Medicin Magica und Kräuterkunde heute, und einem Kräuterschrank mit sechzig Heilkräutern. Daneben liegt das Hausspital mit sechs Betten für Bewohner und Gäste der Maison.

Der Medicin Primus verfügt über alle Ärzte der Stadt und des Umlands und über die Badehäuser, auch das der Maison. Tiara führt das Spital seit über vierzig Jahren und gilt beim Volk wie im Patrimonium als einer der angesehensten Männer Elentreas.

Stadt Elentrea

Stadt Elentrea

Die Hauptstadt des Patrimonium Dei liegt am Felsenmeer, das Meer im Norden. Um 299 v.EC leben hier etwa 60.000 Menschen, fast ein Drittel davon in den Vororten vor der alten Stadtmauer, die an vielen Stellen von Häusern überwachsen ist. Seit Jahren gärt es in den Vororten, und die Gendarmen greifen hart durch.

Hafen und Ostviertel

Der Hafen liegt an der Küste im Nordosten. Fischerboote, Küstensegler und die Schiffe aus Asgoran und Hadewald liegen an hölzernen Kais, dahinter Lagerhäuser und Seilereien. Das Ostviertel zieht sich vom Hafen bis zum Osttor: enge Gassen, Lastträger, Fischer, Tagelöhner, viele Kinder. Es riecht nach Fisch, Teer und Abwasser. Durch das Osttor führt die Straße in die Ostmarken und weiter nach Hadewald, auf der die Händlerzüge kommen.

Die Mitte

In der Mitte erhebt sich ein Hügel, unter dem die Ruinen des Palasts des Lichts liegen, des alten Sitzes der Priesterkaiser. Seit 600 v.EC ist dort oben Schutt, Gestrüpp und eingestürzte Mauerreste; man hat Steine abgetragen, gebaut hat niemand. Die Leute sagen, der Hügel sei verflucht, und meiden ihn nachts. An seiner Nordwestecke liegt der Helenenplatz mit der Statue der heiligen Helene Arvados und ihrem Raben, die der Bildhauer Salvador Rias vor fast dreihundert Jahren schuf. Westlich des Hügels liegt der Kornmarkt mit Speichern, Bäckereien und dem Gasthaus Coq Hardi.

Das Westviertel

Im Westen wohnen Kaufleute, Gildenmeister und Familien, die dem Patrimonium dienen: Steinhäuser mit Innenhöfen, Gildenhäuser, Gärten hinter Mauern. Die Gassen sind breiter und sauberer als im Osten.

Die Vororte

Vor den Mauern liegen die Vororte. Der bekannteste ist Valrouge im Süden, ein Tal mit Gerbereien, deren Abwasser den Bach rot färbt. Im Jahr 302 v.EC schossen dort Gendarmen in eine Menge; seitdem ist der Name eine Anklage. Im Westen liegen die Mühlen am Fluss, im Osten zieht sich eine Reihe Fuhrhöfe und Herbergen an der Hadewalder Straße entlang.

Die Maison

Am Nordrand der Stadt, westlich des Hafens auf einer Anhöhe über der Küste, liegt die Maison de la Patrimoine Dieu, der Sitz des Priesterkaisers. Eine Allee führt von der Stadt zu ihrem Torhaus; gleich davor steht das große Spital Divine.

Glaube

Das Patrimonium verehrt Chronar, Algor und Nadal als eine göttliche Ordnung. Das höchste Fest ist der Jahreswechsel in der letzten Nacht des Jahres, der Chronar gehört. In einer kleinen Kapelle in der Stadt leben die Schwestern des Albertinenordens, Heilerinnen unter dem Schutz der Nadal. In den armen Vierteln pflegen sie Kranke und fragen dabei niemanden um Erlaubnis.

Ordnung in der Stadt

Für die Ordnung sorgen 2500 Gendarmen, die in der Stadt kaserniert sind. Die 5000 Büttel der Bürgerwehr sind Bürger, die nur mit Genehmigung des Patrimoniums einberufen werden. Alle Ärzte der Stadt und des Umlands und alle Badehäuser unterstehen dem Medicin Primus.

Elentrea ist die Stadt der Priesterkaiser, seit das Priesterreich um 1000 v.EC entstand. Nach dem Fall des Palasts des Lichts 600 v.EC zogen sie in die Maison am Nordrand; weltlich regierten Könige, zuletzt das Haus Donnerbruch. Von hier aus wurde Asgoran besetzt und 345 bis 330 v.EC der Krieg gegen die Thenoner Reeder geführt und verloren.

Torhaus der Maison

Torhaus der Maison

Der einzige Zugang zur Maison de la Patrimoine Dieu: ein gedrungener, zweigeschossiger Bau, der aus der Südmauer vorspringt. Von der Allee aus sieht man ein Rundbogentor, darüber das Wappen des Patrimoniums und zwei Schießscharten. Im Tor hängt das äußere Fallgitter aus geschmiedetem Eisen. Dahinter liegt der Torweg, etwa zehn Schritt lang und gewölbt, mit Löchern in der Decke. Am Ende des Torwegs hängt das innere Gitter, dahinter liegt der Hof.

Im Obergeschoss stehen die beiden Winden, jede in einer eigenen Kammer; die der äußeren erreicht man vom Wehrgang, die der inneren über eine Treppe vom Hof. Neben dem inneren Gitter liegt eine Wachstube für vier Gardisten. Rechts vom Tor steht die Baraque der Garde, so dass bei Alarm in wenigen Augenblicken Männer im Hof sind.

Tagsüber sind beide Gitter oben, und ein Gardist fragt jeden nach seinem Anliegen. Laien gehen gleich links in das Haus des Conseil converse und kommen nicht weiter. Nachts sind beide Gitter unten. Vom Torweg aus sieht man genau in der Mitte des Hofs die Statue der heiligen Helene Arvados.

Das doppelte Gitter ist die Lehre aus dem Sturm auf den Palast des Lichts 600 v.EC: Wer das äußere überwindet, steht in einer Falle. Seit die Maison steht, ist das Torhaus nie ernsthaft angegriffen worden.

Tour Grande

Tour Grande

Der größte der drei Türme der Maison, ein runder Turm in der Südostecke über dem Friedhof der Empereur Abbé, deutlich breiter als Tour ouest und Tour nord. Oben liegt eine Wehrplattform mit Blick über Friedhof, Zwinger und äußere Mauer auf die Stadt. Der Eingang liegt zum Hof hin neben dem Friedhof, eine schwere Tür mit einem Gardisten davor.

In den oberen Geschossen lagern Waffen und Vorräte für den Fall einer Belagerung. Eine Wendeltreppe führt hinab in den Kerker des Patrimoniums. Im ersten Untergeschoss liegen Zellen mit Stroh und Eisenringen in den Wänden und die Kammer für die peinliche Befragung. Darunter liegen ältere Zellen, feucht und seit Jahren kaum benutzt. Es riecht nach nassem Stein und Lampenöl.

Der Turm ist so alt wie die Maison. Wer im Patrimonium von „der Grande“ spricht, meint meist nicht den Turm, sondern das, was unter ihm liegt.

Wiesengrund

Wiesengrund

Ein junges Dorf einige Stunden zu Pferd südlich der Stadt Elentrea, in flachem Hügelland mit Wiesen und Wald, an einem Bach. Etwa vierzig Höfe ziehen sich die Dorfstraße entlang, kleine Häuser aus Feldstein mit Gärten, alle in den letzten dreißig Jahren gebaut. Dazwischen liegen Werkstätten, eine Schmiede und eine Schenke ohne Namen. Die Leute sind arm, aber nicht elend; viele Männer gehen am Stock oder haben einen leeren Ärmel.

Am Ende der Straße steht hinter einer verwilderten Allee das Jagdschloss der Könige von Donnerbruch: ein zweistöckiger Bau mit einem Turm und einem Hof, gebaut für einen König und sein Gefolge auf der Jagd. Es steht seit 330 v.EC leer und gehört dem Patrimonium, das sich nicht darum kümmert. Die Fenster des großen Saals sind zum Teil vernagelt. Im Keller liegt die alte Rüstkammer der königlichen Jagdgesellschaft. Die Schlosskapelle neben dem Schloss ist die Dorfkirche; ihr Priester, der alte Fretonas, diente schon unter dem König hier.

Im Haumond 330 v.EC verbrachte der Asgoraner Reeder Visborn von Lothenstein vier Wochen bei König Jaques von Donnerbruch in diesem Schloss. Danach verkündete der König die Souveränität Asgorans und beendete den fünfzehnjährigen Krieg, den Elentrea verloren hatte. Kurz darauf legte er die Krone ab und wurde Priesterkaiser. Das Patrimonium gab Veteranen des Kriegs Land beim Schloss, als Lohn und um sie aus der Stadt zu haben. So wuchs aus dem kleinen Ort ein Dorf, dessen Bewohner für den König gekämpft haben, der hier ihren Krieg verloren gab.

Handouts

Aus Elions Aufzeichnungen

Aus Elions Aufzeichnungen

Lose Blätter und zwei gebundene Hefte in altertümlicher Priesterschrift, manche verkohlt, manche wasserfleckig, dazwischen Zeichnungen von Kreisen und Zeichen. Die Hand wechselt von Blatt zu Blatt. An manchen Rändern stehen Anmerkungen in einer kleinen, steilen Schrift.

I. Sie kam verhüllt, in der Stunde vor dem Morgen, und ihre Stimme hörte ich im Herzen, bevor sie an mein Ohr drang. Sendet der Herr der Zeit seine Boten so? Sie versprach, worum kein Priester zu bitten wagt: dass die Zeit sich vor uns beugt wie Gras im Wind.

Am Rand daneben, in der kleinen, steilen Schrift:

Wenn sie sich beugt, dann bis Wiesengrund. J.

II. Wir sind nun sieben. In der großen Halle beten wir zum höchsten Licht, mit lauter Stimme, damit keiner fragt, wozu wir uns versammeln. Der Bildhauer, der dort an seiner Statue arbeitet, hat uns heute lange angesehen.

III. Unter der großen Halle ist der Raum bereitet. Der Kreis ist gebrannt, die Zeichen sind geschnitten, wie sie es uns zeigte. Am dünnsten ist die Grenze zum Nichts in der letzten Nacht des Jahres, wenn der alte Tag vergeht und der neue noch nicht ist.

IV. Was hindurchkommt, sucht einen Leib und will trinken. Es muss an einen gebunden werden, der es nährt, mit dem eigenen Blut, sonst gehorcht es keinem. Der es nährt, dem gibt es Macht über die, die ihm in die Augen sehen. Was es nimmt, nimmt es von ihm.

V. Für die unteren Hallen haben wir einen Wächter gemacht. Er wächst, solange er Wasser hat, und das Meer gibt ihm Wasser genug.

Auszug aus den Kassenbüchern

Auszug aus den Kassenbüchern

Eine Seite aus einem großen, in Leder gebundenen Buch der Staatskasse, ein Band je Jahr, Einnahmen links, Ausgaben rechts. Jede Zeile nennt Tag, Zweck und Betrag.

Staatskasse des Patrimonium Dei, Ausgaben, Haumond 299 v.EC

  1. Haumond · Für das Spital, Kräuter aus dem Osten, durch die Hand des Händlers Thornton · 4.000 Gulden
  2. Haumond · Auf Geheiß Seiner Heiligkeit, ohne Zweck, durch die Hand des Ersten Mannes im Department especial · 60.000 Gulden
  3. Haumond · Kerzen und Wachs für die Grande Église · 8.500 Gulden
  4. Haumond · Auf Geheiß Seiner Heiligkeit, ohne Zweck, an den Händler Thornton aus Hadewald · 120.000 Gulden
  5. Haumond · Sold der Garde d'airain, zweite Hälfte · 230.000 Gulden
  6. Haumond · Ausbesserung am Dach der Grande Église · 14.000 Gulden
  7. Haumond · Auf Geheiß Seiner Heiligkeit, ohne Zweck · 45.000 Gulden

gez. Equinque, Praefectus Rerum Oeconomicarum

Brief aus Hadewald

Brief aus Hadewald

Ein Brief auf grobem Papier in einer sauberen, etwas eckigen Hand. Er ist mit dem Zug eines Hadewalder Händlers in die Stadt gekommen.

An den gelehrten Herrn Auguste Tiara, Medicin Primus zu Elentrea, durch die Hand des Thornton.

Verehrter Freund,

ich schreibe Euch kürzer als sonst, die Zeit fehlt mir. Seit dem Herbstmond ist in den Dörfern hinter den Wäldern eine Krankheit, wie ich sie nicht kenne. Sie beginnt mit Frost und Fieber, nach zwei Tagen kommen Beulen am Hals, unter den Armen und in den Leisten, groß wie ein Ei. Manche husten Blut. Am Ende werden Finger und Füße schwarz. Von zehn, die ich gesehen habe, haben zwei überlebt.

Sie kommt mit den Fuhrwerken. Erst stirbt der Fuhrmann, dann das Gasthaus, in dem er schlief, dann die Straße. In drei Dörfern, die ich kannte, ist niemand mehr, der die Toten begräbt. Die Priester sagen, es sei eine Strafe. Ich sage, es ist etwas, das von einem zum anderen geht, und wer die Kranken von den Gesunden trennt, rettet die Gesunden.

Der König will die Häfen nicht schließen, weil das Holz verschifft werden muss. Ihr werdet dasselbe hören.

Schließt Eure Tore, solange es noch nützt.

Arne Halvorsen, Arzt
geschrieben im Weinmond

Casus Fretonas

Casus Fretonas

Ein Bogen schweres Papier mit dem Siegel Seiner Heiligkeit in rotem Wachs, am Abend des 24. Nebelmond 299 v.EC in der Zentralversammlung verlesen.

Casus Fretonas

Vor der Zentralversammlung des Patrimonium Dei, am 24. Tag des Nebelmond im Jahr 299 vor Chronar.

Gegen Almand Fretonas, Sohn des Priesters der Kapelle zu Wiesengrund.

Er predigt in Wiesengrund und in den Vororten der Stadt gegen das Patrimonium Dei und gegen Seine Heiligkeit. Er nennt die Ordnung dieses Hauses eine Lüge und ruft das Volk auf, ihr den Gehorsam zu verweigern.

Er sammelt Männer, die im Krieg gegen Asgoran gedient haben, und Waffen, um sie gegen die Garde d'airain zu führen.

Er hat in den Vororten Anhänger, die ihm Nachricht geben und ihn verbergen.

Er lästert Seine Heiligkeit und den Namen, den Seine Heiligkeit trägt.

Angeordnet wird: Almand Fretonas ist festzunehmen und der peinlichen Befragung zu unterziehen, damit er die Namen seiner Mitwisser nennt. Der Colonel de la Garde d'airain vollzieht die Festnahme am folgenden Tag.

Jaques d'Elentrea, Priesterkaiser

Das Siegel des Priesterkaisers

Das Siegel des Priesterkaisers

Das große Siegel des Patrimonium Dei: ein Stempel aus Silber, handtellergroß, mit einem Griff aus schwarzem Holz. Das Bild zeigt drei Türme im Dreieck um ein Kreuz aus Licht, am Rand steht IACOBUS D'ELENTREA. Gesiegelt wird in rotem Wachs. Für jeden Priesterkaiser wird ein neuer Stempel geschnitten, der alte wird bei seiner Bestattung zerbrochen.

Ohne das Siegel gilt kein Erlass und keine Änderung der Ordnung der Räte. Es liegt in einer eisenbeschlagenen Truhe in den Gemächern Seiner Heiligkeit. Die Truhe hat zwei Schlösser; einen Schlüssel trägt der Priesterkaiser, den anderen die Cameriere. Für kleinere Schreiben trägt der Priesterkaiser einen Siegelring mit demselben Bild, der für Erlasse nicht genügt.

Das Vermächtnis der Cameriere

Das Vermächtnis der Cameriere

Ein gefaltetes, brüchiges Pergament in einer Hülle aus dunklem Leder, mit einem Band verschnürt. Auf der Hülle stehen die Namen aller Cameriere, jede hat ihren in eigener Hand dazugeschrieben; der letzte ist Joanne Bretan. Das Siegel wird bei jeder Übergabe neu gesetzt.

Die du dieses liest, nimm mit dem Amt die Schlüssel und den Schwur.

Du hältst die Pforten dieses Hauses, wie Helene die Pforten des Palasts gehalten hat, allein, wenn es sein muss, bis die, die du schützt, in Sicherheit sind.

Und höre, was ich sah: Unter der großen Halle haben Priester eine Tür geöffnet, die keine Tür in Stein ist. Was dahinter ist, wurde zurückgetrieben, nicht getötet. Es wartet. Lass keinen hinabsteigen, wohin sie hinabstiegen, auch nicht den, dem du dienst. Und wenn einer eine solche Tür wieder öffnet, dann wisse, welche Pforte du zu halten hast.

Gib dies der weiter, die nach dir kommt.

Die Pestarztmaske

Die Pestarztmaske

Eine Maske aus gewachstem Leder, die das ganze Gesicht bedeckt, mit gläsernen Augenöffnungen und einem langen, gebogenen Schnabel. Im Schnabel stecken getrocknete Kräuter, ein Essigschwamm und Myrrhe; sie sollen die schlechte Luft abhalten. Dazu gehören ein bodenlanger, gewachster Mantel, Handschuhe, ein breitkrempiger Hut und ein Stock, mit dem der Arzt die Kranken berührt, ohne sie anzufassen.

Seit dem Frühjahr 298 v.EC tragen die Medici des Spital Divine diese Tracht bei den Kranken. In den Straßen des Ostviertels laufen die Kinder vor den Schnäbeln davon: Wo einer an die Tür klopft, wird das Haus bald gekennzeichnet.

Einladung zur Hohen Sitzung

Einladung zur Hohen Sitzung

Ein kurzes Schreiben auf gefaltetem Papier, das ein Diener der Cameriere am Nachmittag in die Amtsstuben bringt.

So lasset das Treffen des hohen Rates stattfinden. Am heutigen Tage zur Abendstunde auf Geheiß Seiner Heiligkeit des Priesterkaisers.

gez. Joanne Bretan, Cameriere

Plan der Maison de la Patrimoine Dieu

Plan der Maison de la Patrimoine Dieu

Ein handgezeichneter Plan der Maison de la Patrimoine Dieu, des Sitzes des Priesterkaisers am Nordrand der Stadt. Die Anlage ist ein Dreieck aus Mauern mit einem runden Turm an jeder Ecke. In der Mitte der Südmauer liegt das Torhaus, von dem eine Allee zur Stadt führt. Ein Pfeil an der äußeren Mauer weist zur Stadt. Der Maßstab am Rand misst zehn Schritt.

  1. Torhaus mit zwei Fallgittern
  2. Friedhof der Empereur Abbé
  3. Statue der heiligen Helene Arvados
  4. Grande Église
  5. Badehaus
  6. Maison des disciples
  7. Maison des aspirants
  8. Baraque der Garde d'airain
  9. Haus des Conseil converse
  10. Bureau des Medicin Primus und Spital
  11. Cuisine
  12. Tour Grande
  13. Äußere Mauer
  14. Tour ouest
  15. Tour nord
  16. Patrimoine Dieu
Tiaras Liste

Tiaras Liste

Eine Seite aus dem dicken Folio in grünem Leder, in dem der Medicin Primus Woche für Woche die Kranken und Toten der Stadt verzeichnet. Die Seiten sind in Spalten für die Viertel geteilt, die Hand ist zittrig, aber klar.

Dritte Woche im Lebensmond, im Jahr 298 vor Chronar

Viertel neu krank gestorben
Hafen 110 92
Ostviertel 260 215
Mitte 90 68
Westviertel 4 1
Vororte (Valrouge, die Mühlen, an der Hadewalder Straße) 60 44
Maison 0 0
Summe 524 420

Medici erkrankt: 2 (Hugon, Delisle). Badehäuser der Mitte wieder offen, die Niedere Sitzung hat meine Schließung aufgehoben. Die Gendarmen an den Ketten lassen gegen Gold durch. Gruben vor dem Osttor voll, neue an der Hadewalder Straße ausheben lassen.

A. T.